Festmahl
Zum zehnten Mal Dein Festmahl: Über 1000 Gäste am 15. Dezember
Am 15. Dezember lädt Dein Festmahl zum zehnten Mal bedürftige Menschen zu einem festlichen Tag ein. Bei der Pressekonferenz am 20. Oktober stellten Mario Roggow und Nina Ranwig mit prominenten…

Am 15. Dezember lädt Dein Festmahl zum zehnten Mal bedürftige Menschen zu einem festlichen Tag ein. Bei der Pressekonferenz am 20. Oktober stellten Mario Roggow und Nina Ranwig mit prominenten Unterstützerinnen und Unterstützern das Programm vor – und baten um Hilfe: Es fehlen noch zehn Friseurinnen und Friseure.
Als der Verein das erste Festmahl plante, kamen gerade sehr viele Geflüchtete nach Deutschland. Am Bahnhof standen Menschen und hießen sie willkommen. „Wir hatten echt Bedenken, ob überhaupt noch einer Lust hat, sich zu beteiligen“, erinnerte sich Mario Roggow, ehrenamtlich oder mit Geld. Die Sorge war unbegründet. Beim ersten Festmahl saßen knapp 650 Gäste an den Tischen, inzwischen lädt der Verein mehr als 1000 Menschen ein. „Nina und ich hätten nicht gedacht, dass das überhaupt so weit kommt.“
Michaela Schaffrath ist Botschafterin 2026
Seit fünf Jahren wirbt Michaela Schaffrath für das Festmahl, telefoniert Kolleginnen und Kollegen ab und erzählt davon – dabei war sie noch nie dabei, weil sie jedes Mal selbst auf der Bühne stand. In diesem Jahr hat sie sich den Termin geblockt und ist die Botschafterin des Jubiläums. Bevor sie Schauspielerin wurde, hat sie zehn Jahre als Kinderkrankenschwester gearbeitet. „Dieses Pflegeherz verliert man nie“, sagte sie. Ihr geht es darum, den Gästen einen Tag lang die volle Aufmerksamkeit zu schenken: selbst aus dem Rampenlicht treten und die eigene Bekanntheit nutzen, damit die Menschen gesehen werden.
Das gilt für alle Prominenten beim Festmahl. Niemand kommt zum Händeschütteln. Viele sind Wiederholungstäter, Sänger Pascal Krieger etwa ist zum fünften Mal oder öfter dabei und hält sich den Tag jedes Jahr frei: „Uns geht es gut, Gott sei Dank, und man sollte das auch nutzen.“ Neu ist Sängerin Judith Hildebrandt (T-Seven). Den Kontakt hat ihr Vater hergestellt – er ist Nina Ranwigs Zahnarzt. Wenige Stunden nach der Frage beim Zahnarztbesuch hatte Nina das Ja.
Auf der Gästeliste der Künstlerinnen und Künstler stehen unter anderem Claudia Jung, Peter Freudenthaler von Fools Garden, Achim Petry, Schauspieler Bruno F. Apitz („Notruf Hafenkante“), der inzwischen in Bremen lebt, Prince Damien, Darian und Luna von „The Voice Kids“, Let’s-Dance-Profi Evgeny Vinokurov, Bert Wollersheim, Bahnrad-Weltmeister und Sixdays-Botschafter René Enders sowie Singer-Songwriterin Anne West. Weitere Zusagen stehen noch aus. Die Schirmherrschaft hat Bremens Bürgermeister übernommen.
Brillen nach Maß statt Brillen von der Stange
Zum Festmahl gehören Angebote, die sich viele Gäste sonst nicht leisten: Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, die Tiertafel – und seit über fünf Jahren den Optiker Lars Schulte-Hornich von ProOptik. Die Idee hatte der damals zwölfjährige Sohn von Optiker Lars: „Papa, verschenk doch Brillen.“ Lars misst beim Festmahl mit eigenem Gerät die Augen aus, bestellt am Abend die Gläser und fertigt mit seinem Team in Spät- und Abendschichten für jeden Gast eine eigene Fern- oder Lesebrille. Sponsoren stellen robuste Fassungen. Nach ein bis zwei Wochen werden die Brillen über den Kältebus ausgegeben. Sein Sohn hilft bis heute mit.
Was das bedeutet, erzählt Lars an Beispielen: Ein junger Mann um die zwanzig mit sehr starker Fehlsichtigkeit konnte zum ersten Mal richtig sehen. Andere sagen ihm, dass sie in der Bank ihre Formulare wieder selbst ausfüllen können, ohne jemanden um Hilfe zu bitten. Und manche kommen Wochen später in sein Geschäft in Bremen-Nord, nur um sich zu bedanken.
Gesucht: zehn Friseurinnen und Friseure
Auch ein Haarschnitt ist für viele Gäste Luxus. Die Friseure sind beim Festmahl die Ersten, die anfangen, und die Letzten, die aufhören – wenn die Halle schon halb leer ist, schneiden sie noch. Die private Friseurschule, mit der der Verein seit Jahren zusammenarbeitet, ist wieder dabei, kann aber höchstens 15 Friseurinnen und Friseure stellen. Gebraucht werden mindestens zehn mehr. Wer mitmachen möchte, meldet sich bitte über unsere Webseite.
Die Auszubildenden der Schule haben sich übrigens selbst etwas überlegt: Weil die Wartezeit lang ist, wollen sie mit den wartenden Gästen Spiele spielen.
Viele kleine Ideen
Solche Einfälle tragen das Festmahl. Ein Neurochirurg legt seine OP-Termine so, dass er den Tag frei hat. Tanja, deren Mann jedes Jahr den Weihnachtsmann gibt, bastelt für jeden Gast einen Anhänger mit einem Spruch – 600 sind fertig, 1000 werden es, und sie sitzt dafür gerade jede Nacht bis zwei Uhr. Manche Gäste bringen den Anhänger aus dem Vorjahr wieder mit. Eine Strickrunde trifft sich alle vier Wochen im Wirtshaus und strickt Mützen, Schals und Socken; das nächste Treffen ist am 3. November, Besuch ist willkommen. Und Nina Ranwigs Familie in Österreich strickt das ganze Jahr über mit.
Zu essen gibt es Klassisches: Rotkohl und Klöße. Mit nach Hause nehmen die Gäste, was sie brauchen. Wer auf der Straße lebt, bekommt zum Beispiel Schlafsack und Rucksack, alleinerziehende Eltern Weihnachtsgeschenke für ihre Kinder. Was gebraucht wird, klärt der Verein vorher mit Partnern wie der Caritas und den Suppenengeln, die auch die Einladungen zu den Gästen bringen – per Handy oder E-Mail erreicht man viele von ihnen nicht.
Finanziert allein durch Spenden
Das Festmahl bekommt kein Geld von der Stadt. Alles ist ehrenamtlich organisiert und durch Spenden finanziert: Essen, Geschenke, Technik, Logistik. In diesem Jahr braucht der Verein dafür rund 70.000 Euro. Spenden kann man direkt auf der Webseite.
Im Saal macht niemand einen Unterschied, ob jemand ehrenamtlich hilft, als Optiker arbeitet, prominent ist oder Gast. „Wir begegnen uns da auf Augenhöhe“, sagt Mario Roggow. „Ich glaube, das ist eines der Geheimnisse, die wir haben.“
Das Festmahl gibt es jetzt auch in Mannheim und Landau
Mario Roggow wirbt seit Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz für das Konzept. Wer eine große Halle, Kontakte und Partner hat, hat fast alles, was es braucht. In Mannheim gibt es das Festmahl seit dem vergangenen Jahr, getragen von einem eigenen Verein; in diesem Jahr findet es dort am 17. Dezember statt. Neu dabei ist Landau, organisatorisch unter dem Dach von Dein Festmahl e.V., am selben Tag wie in Bremen.
Angefangen hat Mannheim mit einem Vortrag. Auf die häufigste Frage – warum macht ihr das überhaupt? – antwortete Mario Roggow dort mit einem Satz: „Weil wir es können.“ Drei Zuhörer setzten sich danach zusammen und beschlossen, loszulegen. Roggow war beim ersten Mannheimer Festmahl vor Ort. Sein Urteil: „Die machen das wirklich gut.“